Wo bitte gehts zum Mietvertrag?

Veröffentlicht auf von Hank Moody

Gerade habe ich über die Situation geschrieben, wie bedrückend es sein kann, eine Wohnung zu suchen und nicht zu finden.  Fast täglich bin ich in den unterschiedlichsten Stadtteilen und Wohnungen unterwegs. Manchmal frohlocke ich, manchmal schüttel ich dabei nur den Kopf und nicht selten denke ich: schöne Wohnung, aber Du hast doch eh keine Chance, sie zu bekommen. Denn trotz geregeltem Einkommen, sauberen Papieren und meinem gepflegtem Erscheinungsbild klebt mir die Seuche an den Fingern.

Dazu passt auch die kleine Anekdote zu einer Wohnungsbesichtigung, die ich gestern erlebt habe. Es ist kurz vor 18.00 Uhr, der Bus hat mich grade an mein Ziel gebracht. Es ist eine Wohngegend, die ruhig ist, mit viel grün, richtig nett, ein gepflegter Park in der Nähe. Der einzige Nachteil ist, ich habe auf der Fahrt zu der Adresse nicht mal einen Supermarkt gesehen. Aber das kann man ja noch erfragen. Ich stehe also im ungemütlichen Herbstwetter vor dem Haus und warte auf die Hauswartsfrau, die netter Weise diesen Besichtigungstermin kurzfristig möglich gemacht hat. Es ist auch höchste Eisenbahn, denn die im Hintergrund agierende Wohnungsbaugesellschaft deutete an, dass es bereits Interessenten gibt (und das, obwohl die Wohnung erst 3 Tage im Netz ist).

Das Haus, ein Altbau, ist grau, wirkt trist. Aber das muss ja nichts heißen. Es ist Zeit, aber von der Hauswartsfrau keine Spur. Während ich noch darüber grübel, ob ich mich in der Zeit geirrt habe, öffnet sich die Haustür und eine junge Frau fragt mich, ob ich wegen der Wohnung komme. Erstaunt stelle ich fest, dass es sich um die Hausmeisterin handelt. Hätte ich nicht erwartet, auf so einen jungen Menschen zu treffen. Wir gehen also ins Hochpaterre und sie fängt an, mir die kleine Zweizimmerwohnung zu zeigen. Das Mädel redet dabei viel, aber das ist nicht unangenehm, im Gegenteil, ich mag sie, sie wirkt sehr sympathisch. Der kleine Mops, den sie im Arm hält, scheint mich zu mögen.

Plötzlich ist sie wieder da, meine Erkenntnis. Diese Frau, die da grade mit mir spricht, mich anlächelt, ist überhaupt nicht mein Typ. Klamotten die in Richtung alternativer Rock gehen, sie ist nicht sonderlich groß, ziemlich schlank, mittellange, unordentliche braune Haare. Aber ihre Augen, die gefallen mir. Und der Funke springt  über, eigentlich garnicht mein Typ, gefällt sie mir plötzlich und ich spüre dieses angenehme kribbeln im Unterleib, dass mir signalisiert, dass ich auch sexuelles Interesse an ihr habe.

Es ist eine persönliche Wohnungsbesichtigung und ein sehr nettes Gespräch. Eigentlich will ich garnicht mehr gehen. Draußen wartet nur der Regen, hier drin die Verheißung. Ich erfahre, dass sie ursprünglich aus Dortmund kommt und dort die Mieten wesentlich preiswerter sind. Dann hält sie mir den Bewerbungsbogen unter die Nase und zügelt damit etwas meine schmutzigen Gedanken. Sie sagt auch, ich hätte gute Chancen auf die Wohnung und sie würde sich freuen, wenn es für mich klappen würde. Moment, was hat sie gesagt? Hat sie das wirklich gesagt? Ja hat sie und ich sehe es bereits vor mir.

Es ist eine Szene, wie in den besten Werbespots. Ich bin frisch eingezogen, sie klingelt an meiner Tür, fragt, ob ich gut angekommen bin, irgendwas brauche. Ich lasse sie herein, lade sie auf einen Kaffee ein. Wir plaudern, es knistert und ZACK, steckt ihre Zunge in meinem Mund. Überblendung und wir weihen mein schönes Doppelbett ein, Überblendung und wir liegen erschöpft zwischen den Laken und ZACK, der Tagtraum zerreißt und sie steht an eine Wand gelehnt vor mir, den Mops zwischen ihren Brüsten und lächelt mich schief an.

Wir kehren zurück zum letzten Small-Talk, dann verabschieden wir uns und ich muss noch nach dem Bus rennen. Auf dem Weg nach Hause wird mir klar, dass ich die Wohnung haben will. Nicht, weil sie mir so gut gefällt, ich hab schon Bessere gesehen. Nicht, weil sie so preiswert ist. Nicht wegen der Lage. Wegen ihr. Immerhin, sie ist Hausmeisterin, es gibt genug, worum sie sich in meiner neuen Wohnung kümmern könnte. Aber dann kommen die guten alten Zweifel. Jemand wie sie hat sicher nen Lover. Du hast keine Chance.

Am nächsten Morgen faxe ich der Gesellschaft meinen Bewerbungsbogen mit den erforderlichen Unterlagen. Der Vormittag vergeht. Werden sie sich melden? Ein Blick ins Immobilienportal verrät, dass die Wohnung nicht mehr verfügbar ist. Okay, dann wird sicher das Telefon gleich klingeln, ich hab ja gute Chancen. Die traumhafte Werbung taucht wieder in meinem Kopf auf. Doch der Anruf bleibt aus. Gegen Mittag will ich Klarheit, rufe den Verein an. Es folgt der Standard-Satz: "Tut mir leid, die Wohnung ist schon vergeben." Knockout, hätte auch von Klitschko kommen können. Die Enttäuschung kommt dieses Mal auch aus der Lendengegend.

Noch habe ich ihre Telefonnummer. Ob ich sie anrufen soll? Was  soll ich sagen? Vielleicht "Hi, ich hab gestern die Wohnung besichtigt und würde gerne schmutzige Sachen mit Dir anstellen." Oder einfach fragen, ob sie nen Kaffee trinken gehen würde? Aber mir wird klar, dass ich nicht anrufen werde. Ich bringe es einfach nicht. Zwölf Jahre feste Beziehung haben mich geprägt und in Sachen flirten und Frauen ansprechen völlig verkümmern lassen. Ich bräuchte Übung. Aber der Stachel der Angst sitzt tief. In der einen Hand halte ich den Zettel mit der Rufnummer, in der anderen das Telefon. Dann packe ich Beides weg und gehe meinem Alltag nach, doch meine Gedanken kehren immer wieder zu ihr zurück. Auch das ist Leben. Manchmal hart.  

Veröffentlicht in Hanks Frauen

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