Über die Kunst, einfache Dinge zu tun

Veröffentlicht auf von Hank Moody

Manchmal könnte das Leben so einfach sein. Manchmal macht man es sich selbst unnötig schwer. Und manchmal hasst man sich selbst für Dinge, die man getan oder eben nicht getan hat. Genauso geht es mir momentan, ich hasse mich gerade selbst, weil ich eine vermeidlich einfache Frage nicht stellen kann.

Dabei kann es doch so einfach sein. Das beweisen einem tagtäglich immer wieder die Menschen, die eben kein Problem damit haben, auf Andere zuzugehen und genau das zu machen, was sie sich gerade vorstellen. Sie haben kein Problem damit, Fragen zu stellen und vielleicht unbequeme Antworten zu erhalten. Das Leben geht weiter, wenns mal nicht so läuft, wie gewünscht, dann eben weiter zum Nächsten. Oder so ähnlich. Manchmal hasse ich auch diese unkomplizierten Leute.

Wahrscheinlich ist es aber eher Eifersucht - darüber, dass sie ihr Leben so problemlos meistern und ich kläglich an den einfachsten Aufgaben scheiter. Und das, obwohl ich es in der Vergangenheit selbst schon das ein oder andere Mal hinbekommen habe. Doch das war vielleicht nur ein Strohfeuer ohne nachhaltige Wirkung.

Wenn man einen anderen Menschen mag und sich zu ihm hingezogen fühlt, ist es vielleicht normal, Angst vor Zurückweisung zu haben, wenn man sich öffnet. Nur, warum haben Einige damit scheinbar weniger Probleme? Die Antwort liegt in unserem Charakter. Der wird irgendwann geprägt und gefestigt. Sich dann hinterher zu ändern, ist zwar sicher möglich, aber schwer - gerade mit zunehmendem Alter.

Ich hätte da momentan eine einfache Frage. Sie gilt einem Menschen, zu dem ich mich momentan hingezogen fühle. Diese Frage würde zumindest mal den Beginn eines Kennenlernens möglich machen - oder eben nicht. Das ist dann genau der Punkt, an dem ich beginne, zu versagen. Denn ist die Frage erst einmal gestellt, so banal sie eigentlich ist, kann man sie schlecht zurück nehmen. Doch was wäre, wenn die Person, zu der man sich hingezogen fühlt, nein sagt, kein Interesse zeigt? Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Hier gibt es eben die, die das locker wegstecken und die, die dann regelrecht neben sich stehen und nicht weiter wissen. Zu letzterer Gruppe gehöre momentan ich.

Dabei ist es wirklich lächerlich. Selbst wenn die Frau, die ich gerne näher kennen lernen würde, dies nicht wünscht, was würde groß passieren? Nichts. Dennoch kann ich meine negativen Gedanken nicht kontrollieren, mache mich regelrecht verrückt. Dann kommt sowas dabei raus, dass man mehrmals bei der Person anruft, irgend eine Scheiße labert, aber die eigentlich einfache Frage nicht fragt.

So erging es mir heute. Dabei würde ich wirklich gerne meine Kollegin aus der Nebentätigkeit kennen lernen. Aber ich kriege es nicht auf die Reihe, sie auf einen Kaffee einzuladen. Oder irgendwas anderem. Da bin ich wieder in meinem typischen Denkmuster drin und habe Angst, dass sie nein sagen könnte. Vielmehr rede ich mir sogar ein, dass sie eh nein sagen wird, weil sie mit so einem Looser wie mir nichts zu tun haben will. Völlig irre solche Gedanken, aber sie kommen und nehmen mir jede Handlungsmöglichkeit. Hinterher ärgere ich mich dann, dass ich wieder so feige war. Es ist eben vielleicht doch von Nachteil, dieses Spiel nie wirklich gelernt zu haben, weil man sich der Erstbesten an den Hals geworfen hat und diesbezüglich keinerlei Erfahrungen gesammelt hat.

Vielleicht ist es in meiner Situation auch garnicht gerechtfertigt, sich so kurz nach der Trennung von einer langjährigen Beziehung gleich Jemand neuem zuzuwenden. Obwohl genau das Verhalten zeigt, dass in der alten Beziehung schon lange nichts mehr gestimmt haben kann. Doch all das Denken, analysieren etc. nützt am Ende des Tages, wenn man wieder mit leeren Händen dasteht und die Mutigen einem zuvor gekommen sind, leider überhaupt nichts. So bleibt mir nur, mich entweder selbst aus dem Sumpf zu ziehen, oder darin zu versinken. Im Augenblick habe ich eher das Gefühl, letzteres würde passieren.

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