November Regen

Veröffentlicht auf von Hank Moody

Wenn man eines über den diesjährigen Oktober sagen kann, dann dass er wirklich schön war. Es war mild, die Sonne schien überdurchschnittlich oft und geregnet hat es auch kaum. Ich hab schon lange nicht mehr bewusst so einen tollen Oktober genossen. Auch die Stimmung der Menschen schien besser zu sein, als üblich.

Pünktlich zum Anfang des Novembers hat die Natur einen Schalter umgelegt und auf "schlecht" geschaltet. Es regnet und hört garnicht mehr auf. Die Tage sind kurz, windig und oft begrüßt mich der Nebel, wenn ich morgens aus dem Haus gehe. Die Sonne werde ich wohl für längere Zeit nicht mehr zu Gesicht bekommen. Zwar kann ich teilweise diesem Wetter auch etwas abgewinnen, aber was ich absolut nicht leiden kann, ist der Regen. Mal ehrlich, wie ätzend ist das denn, mit den Händen voller Einkaufstaschen und nem tropfenden Schirm im vollen Bus zu stehen und fremde Ellenbogen in die Rippen zu bekommen. Grauenvoll für mich. Dann lass ich wenigstens den Schirm weg und werde lieber nass bis auf die Knochen.

Nicht nur das Wetterbarometer zeigt in diesen Tagen deutlich abwärts, es ist auch meine Stimmung, die sich auf Talfahrt befindet. Es stimmt schon, dass die Witterung die eigene Gefühlslage beeinflusst. Ich bin melancholischer, nachdenklicher und leichter niedergeschlagen. Vor zwei Tagen erst schien ich mal wieder an meiner derzeitigen Lebenssituation zu verzweifeln. Zumindest einen ganzen Nachmittag lang habe ich mich dieser Stimmung hingegeben und die Welt einfach nur gehasst. Doch am Abend kam der Stimmungsumschwung. Noch kann ich mich selbst aus dem Dreck ziehen. Noch bin ich nicht so weit unten, dass ich keine Kraft mehr habe und mich selbst aufgebe. Mir kam der Gedanke, dass ich nicht zulassen darf, dass meine derzeitige Situation oder andere Menschen mich klein kriegen. Ich will beweisen, dass ich es schaffen kann, alles schaffen kann, was vor mir liegt. Ans Aufgeben zu denken, ist legitim, es tatsächlich zu tun, unverzeilich.

Ich ziehe mich in dieser Jahreszeit eher zurück, tue Dinge, die mich aufbauen und glücklich machen. Das muss nicht zwingend eine heldenhafte Aktion sein. Irgendwie lernt man, die kleinen Dinge zu schätzen. Ist es draußen ungemütlich, zünde ich mir ein paar Kerzen an. Ich mag das Licht der Flammen lieber, als die grellen Glühbirnen. Ich mache  mir einen heißen Tee, mummel mich in eine Decke und lese ein Buch oder sehe mir etwas im Fernsehen an. Oder ich schreibe. Ich mache einfach die Dinge, die ich will - nicht Die, die ich machen muss. Dafür stapelt sich meine Bügelwäsche immer höher. Irgendwann muss ich mich der ganzen Oberhemden annehmen, aber das hat Zeit. Jetzt nehm ich mir erst mal Zeit für mich.

 

Veröffentlicht in Nachdenkliches

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