Küsst mich da, wo die Sonne nicht hinscheint!

Veröffentlicht auf von Hank Moody

Es gibt Situationen im Leben, da kann man einfach verzweifeln. Man strengt sich an, um etwas zu erreichen, aber es will einfach nicht gelingen.  Man verliert den Glauben an sich und seine Mitmenschen oder schlicht an das Leben. Kann das wirklich sein, passiert mir das gerade?

Mir geht es momentan auch so, langsam beginne ich zu verzweifeln. Eine Trennung ist eh schon ein monströses Vehikel, dass sich einfach nicht steuern lässt und bei dem man aufpassen muss, nicht unter die Räder zu kommen. Da ist es dann absolut nervend, wenn man sich auch noch eine neue Wohnung suchen muss, weil man die Gemeinsame nicht mehr halten kann. Wobei, inzwischen ist "nervend" nicht mehr das richtige Wort. Es ist himmelschreiend, zum verzweifeln, wutausbruchsfördernd, frustrierend, niederschmetternd.

Keine Ahnung, wo ihr wohnt. Ob auf dem Dorf oder in einer Großstadt. Aber in der Großstadt, in der ich lebe, scheint es drei Millionen Leute zu geben, die eine Wohnung suchen. Auf Grund der Wirtschaftslage, meiner Finanzen, kann ich mir höchstens eine kleine Einzimmerwohnung leisten, die Miete eigentlich warm höchstens 350€. Damit liege ich genau auf der gleichen Wellenlänge, wie gefühlte vier Millionen andere Mitmenschen dieses Molochs von Stadt. Alle zieht es in diese kleinen Behausungen. Leider gibt es davon nicht genug. Es gibt vor allem große Wohnungen, solche, die sich nur wirklich finanzstarke Paare leisten können. Kleine Wohnungen scheint es nicht genug zu geben, ansonsten kann ich mir nicht erklären, warum ich mir mit mindestens fünfunddreißig bis vierzig Leuten bei den jeweiligen Besichtigungen auf die Füße trete.

Die Einzigen, die sich die Hände reiben, sind die Immobilienhaie. Verzeihung,  Vermieter. Gewerblich und Privat. Die können sich zurück lehnen und haben freie Auswahl. Ist ein Interessent dabei, der nicht so solvent ist oder gar arbeitslos - egal, es gibt mehr als genug Leute, die sofort bezahlen können. Es geht ja nicht nur um die schon recht hohen Mieten an sich. Es geht um Kautionen, Provisionen, für die man schnell mal eben mehr als 1.000€ hinblättern muss. Der Vermieter wird das zweifels ohne als seine Absicherung, zum Beispiel gegen Mietnomaden, deklarieren. Aber wie vieles in unserem System zweifel ich auch hier an den Verhältnismäßigkeiten. Um einen Vermieter zu beeindrucken und für sich zu gewinnen muss man - ich bitte schon mal um Verzeihung für meine derbe Ausdrucksweise - ihm die Rosette lecken.

Hinzu kommen aber auch die typischen Feindbilder im Kampf um eine Wohnung: da wäre zunächst das junge Girlie, der hippe Student, die sich jeweils mit ihren finanzstarken Eltern die erste eigene Wohnung nehmen wollen, um "mal ordentlich Party machen zu können". Dann ist als nächstes das schmalzig verliebte Jungpärchen, dass meint, dass es auf so engem Raum tatsächlich glücklich wird. Des weiteren gibt es noch die Leidensgenossen, also Männer, die in Scheidung leben, es gibt die nach Wilthener Goldbrand stinkenden Hartz IV Empfänger, Arbeitslose mit und ohne Migrationshintergrund und die Senioren, die sich sozusagen ihren letzten Altersruhesitz aussuchen.

Eine Möglichkeit bleibt mir noch. Ich kann in eines der Ghettos meiner Stadt ziehen. Da gibt es preiswerte Löcher, in denen man hausen kann. Dafür hat man dann die Perspektive, öfter mal zusammengeschlagen im Hausflur rumzuliegen. Echt prima. Aber so funktioniert unser Gesellschaftssystem. Ein Hoch auf den Kapitalismus. 

 

Veröffentlicht in Hank hasst...

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