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Veröffentlicht auf von Hank Moody

Noch nie war es so einfach wie heute, DEN perfekten Traumpartner (Anm.: hier meine ich immer beide Geschlechter) zu finden. Vorbei sind die Zeiten, in denen man Kontaktanzeigen in Zeitungen geschaltet hat, monatelang seinen Schwarm heimlich angehimmelt hat, bis man den Mumm hatte, auch den ersten Schritt zu machen. Vorbei auch die Zeiten von Singleparties, Speeddating und mühsamen Ansprechen in Disco oder Club. Unsere moderne Technik macht es möglich: die große Liebe per Mausklick oder mit einem Wisch in die richtige Richtung – einfacher geht es nicht mehr!

Dieses Versprechen macht uns zumindest die nach wie vor boomende Branche der Singlebörsen, Partnervermittlungen und Dating Apps fürs Smartphhone.  Immer mehr Singlehaushalte, eine immer höhere Scheidungsrate – Singles sind, so scheint es, auf dem Vormarsch. Das belegen zahlreiche Anbieter dieser Kontaktdienste immer wieder gerne mit ihren Kundenzahlen. Da unser Leben, unser Alltag auch immer weniger Zeit bietet, sich um so etwas wie einen potentiellen Partner zu kümmern, liegt es nahe, auch diesen Bereich unseres Lebens zu ökonomisieren und mit möglichst wenig Zeitaufwand den größtmöglichen Erfolg zu erzielen.

Ich selbst bin seit einigen Jahren Single und möchte diesen Zustand endlich ändern. Da ich im realen Leben doch schüchtern bin und es mir schwer fällt, Frauen anzusprechen, entscheide ich mich für den Selbstversuch mit der einen oder anderen Singlebörse. Beflügelt von den diversen zu findenden Erfolgsberichten Derer, die sich online gesucht und gefunden haben, verschaffe ich mir einen Überblick über das Angebot.

 

Partnervermittlung, Singlebörse, Dating App – ein Überblick

Grundsätzlich unterscheidet man zunächst zwischen kostenpflichtigen und kostenfreien Angeboten. Dann gibt es noch die Unterscheidung zwischen Anbietern, die nur eine Webseite zur Kontaktfindung anbieten; Apps, die es nur für das Smartphone gibt und Anbieter, die Beides anbieten.

 

Die Marktführer im Bereich der Partnervermittlung kennt man vor allem durch die Werbung: Parship, Elite Partner oder neu.de sind medial sehr präsent. Fürs Mobiltelefon feiern vor allem die Apps Tinder, Lovoo und Badoo große Erfolge.

Bei der Auswahl der für mich passenden Flirtplattform fällt mir zunächst auf, dass es für manch Anbieter wohl eine Art Klassengesellschaft zu geben scheint. Dies zelebriert vor allem Elitepartner, denn dort gilt vor allem der Akademiker als die höchste aller Lebensformen. Darunter ordnet sich dann der „Single mit Niveau“ ein. Darüber hinaus scheint der Rest der Menschheit so etwas wie der Bodensatz zu sein. Will ich also wirklich dort angemeldet sein? Nun, ich bin kein Akademiker und beschließe lieber, dass ich auch kein Niveau habe. Das ist also nichts für mich. Ich habe aber auch keine große Lust „jetzt zu parshippen“. Vielleicht liegt es an den stereotypen, immer gleich debil grinsenden „Singles“ aus der Werbung. Jedenfalls, wenn ich es mir Recht überlege, will ich eigentlich kein Geld für eine Singlebörse oder Ähnliches ausgeben. Warum? Nun zum einen habe ich nicht Geld im Überfluss und die monatlichen Beiträge der Anbieter empfinde ich schon als teilweise sehr happig. Außerdem kommt mir ein weiterer Gedanke: Ist dem Anbieter nicht daran gelegen, mich möglichst lange als zahlendes Mitglied zu erhalten?

Aus diesem Grunde entscheide ich mich schließlich für die kostenlose Singlebörse „okcupid“. Sie kommt aus den Vereinigten Staaten und ist ein weltweites Portal mit unzähligen Singles aus der ganzen Welt. OKC, wie es viele schlicht nennen hat darüber hinaus ein interessantes Konzept zu bieten. Durch die Beantwortung möglichst vieler Fragen (mehrere Tausend werden einem, wenn man denn will, gestellt), seiner Vorlieben und Angaben zur eigenen Person errechnet das Portal mit bestimmten Algorithmen einen sog. Matchscore. Je höher der Matchscore, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass man zueinander passt. OKC bietet auch wirklich alle wichtigen Funktionen uneingeschränkt kostenlos an, hat dazu auch eine App fürs Smartphone. Es gibt die Möglichkeit, ein sog. A-List Abo abzuschließen, dass einige komfortable Extras bietet. So z.B. eine erweiterte Suchmatrix oder die Möglichkeit, Profile unsichtbar zu durchstöbern.

Nach dem Motto „eine Singlebörse ist nicht genug“ entscheide ich mich zusätzlich noch für die Dating Apps „Lovoo“ und „Tinder“ für mein Smartphone. Beide Apps sind in der Basisversion kostenlos, bieten aber auch die Möglichkeit, Abos abzuschließen, um zusätzliche Funktionen nutzen zu können. Bei Lovoo gibt es daneben noch die Möglichkeit, verschiedene Funktionen mit der App internen Coin Währung zu nutzen, also ohne Abo.

Lovoo bietet einen interessanten Suchansatz. Wer den Traumpartner sucht, kann immer und überall den „Live Radar“ benutzen. Der zeigt einem in einem vorher eingestellten Umkreis alle bei Lovoo registrierten Singles an. Das soll vor allem schnelle und unkomplizierte Realkontakte ermöglichen.
Tinder reduziert die Partnersuche auf einen einfachen Aspekt: Man bekommt ebenfalls über die GPS Funktion des Smartphones potentielle Singles aus der Umgebung angezeigt. Das Besondere: Man sieht zunächst nur ein Foto der Person (wenn man es dann anklickt, können bis zu vier weitere Fotos betrachtet werden und ggf. auch einen kleinen Profiltext lesen). Gefällt einem die Person, wischt man das Bild nach rechts, gefällt einem die Person nicht, wischt man sie nach links. Erst, wenn eine so „gelikte“ Person einen zurück „liked“, kann man sich auch schreiben und kennen lernen. Gefällt man sich gegenseitig nicht, so erfährt das Gegenüber diesen Umstand nicht. In der kostenlosen Version ist die Anzahl der likes pro Tag übrigens seit Februar 2015 begrenzt. Wer die Begrenzung loswerden will, dazu die Möglichkeit haben möchte, die letzte Wischgeste zurück zu nehmen oder seinen Standort umzustellen, der zahlt drauf.

 

Am Anfang herrsch Euphorie

Für mich ist das Projekt Internet Dating, wie Frau Merkel so schön gesagt hat, „Neuland“. Ich fühle mich ein wenig wie einer jener Pioniere, die einst Amerikas Wilden Westen zähmten. Nach kurzer Überlegung widme ich mich zunächst dem Portal okcupid und richte mir mein Profil ein. Dabei merke ich schnell, dass ich gar keine aktuellen Fotos von mir habe. Egal, erst mal gewissenhaft das Profil ausfüllen. Dabei versuche ich, originell und möglichst ehrlich zu sein. Okay, beim Gewicht schummle ich dann doch ein wenig und ich gebe auch nicht an, dass ich eigentlich geschieden bin. Ich habe den Eindruck, dies könnte meine Chancen schmälern. Nachdem ich meine persönlichen Angaben gemacht habe, beginne ich mit den Fragen aus dem Bereich Liebe, Sexualität, Lifestyle, Religion und Sonstiges. Zwei Stunden und über 300 beantwortete Fragen später wundere ich mich, wann diese Fragerei überhaupt ein Ende hat und breche den Teil erst mal ab. Einige Tage später werde ich herausfinden, dass es tausende von Fragen gibt und User, die tatsächlich so Viele auch beantwortet haben. Abschließend  mache ich vor der weißen Wand auf meinem Balkon noch einige Selfies. Ich mag das eigentlich nicht, bin auch mit dem Ergebnis nicht sonderlich zufrieden, will aber endlich ein fertiges Profil haben. Daher nehme ich erst einmal, was ich habe und beschließe, in den nächsten Tagen noch einmal bessere Bilder zu machen.

Nachdem ich mit okc erst einmal fertig bin, geht die ähnliche Prozedur bei Lovoo von vorne los. Hier geht das Erstellen des Profils jedoch schneller, da man außer ein paar Standardangaben und Fotos nicht viel machen kann.

Etwas problematisch ist dann Tinder. Das setzt zwangsweise einen Facebook Account voraus. Doch so einen Account habe ich bisher nicht, weil ich der Datenkrake Facebook nicht über den Weg traue. Schließlich registriere ich mich dort aber, stelle meine Fotos ein (die ich dann zu Tinder übernehmen kann) und stelle bei Tinder noch meine Suchpräferenzen ein. Dann kann es endlich losgehen, die nächste Traumfrau wähne ich bereits nahe!

In den ersten Tagen konzentriere ich mich vor allem auf okcupid, da mir das irgendwie am besten gefällt. Ich blättere durch diverse Profile und schreibe die Frauen an, die mir gefallen. Dabei achte ich darauf, die Damen möglichst individuell anzuschreiben. Meist gibt da eine Angabe aus dem Profil einen entscheidenden Anstoß. Bereits nach wenigen Stunden bekomme ich von der ersten Frau eine Antwort. Wir werden uns zwei Tage hin und her schreiben und dann wird sie den Kontakt einfach beenden. Doch das hält mich nicht davon ab, weiter Frauen anzuschreiben. Dabei merke ich dann aber auch sehr bald, dass es wohl gängige Praxis zu sein scheint, dass man auf die Mehrzahl seiner Nachrichten keine Antwort bekommt. Meinen ersten längeren Chat habe ich dann nach ein paar Tagen ausgerechnet mir einer Frau, die mir wenigstens antwortet, dass ich nicht ihr Typ bin, sie mir aber viel Glück bei der Suche wünscht. Im Verlauf des Chats gibt sie mir noch ein wenig Feedback und Tipps, was ich besser machen könnte. Eine echte Hilfe für mich!
Parallel dazu wische ich mich durch diverse Profile bei Tinder und Lovoo. Da es bei Lovoo auch die Möglichkeit gibt, Suchende direkt anzuschreiben, ohne die Wischerei zu betreiben, mache ich davon ebenso Gebrauch und bin optimistisch, dass bald eine Frau anbeißt.

Ernüchterung nach einem Monat Online Dating

Es ist inzwischen Ende Dezember, seit gut 4 Wochen bin ich auf den drei unterschiedlichen Singlebörsen aktiv. Ich muss feststellen, dass meine Anfangseuphorie verflogen ist und sich Ernüchterung und Enttäuschung breit macht. Obwohl ich meine Profile noch einige Male überarbeitet habe und auch neue Fotos erstellt habe, bleibt die Resonanz aus. Bei okc habe ich dutzende Frauen angeschrieben, doch bis auf eine Hand voll Antworten keinerlei Reaktion erzeugt. Drei davon waren höfliche Absagen, bei den anderen Beiden ebbte der Chat  in Rekordzeit ab.
Auch bei Lovoo und Tinder passierte einfach nichts. In vier Wochen Tinder hatte ich ganze drei Matches, die sich aber nie meldeten, nachdem ich sie anschrieb. Bei Lovoo habe ich nur eine sehr patzige Antwort von einer Frau bekommen, die sich wohl durch mich irgendwie genervt gefühlt hat. Dabei habe ich sie freundlich und höflich angeschrieben – einmal wohlgemerkt. Überhaupt Lovoo: meiner Einschätzung nach gibt es dort nicht nur sehr viele Fakes, sondern auch sehr viele arrogante, selbstverliebte und nicht gerade intelligente Leute. Vor allem richtet sich das Angebot doch eher an die junge Generation bis 30 und nicht an Leute, die wie ich kurz vor der 40 stehen.

 

 

Silberstreif am Horizont

Mitten in der Phase der Ernüchterung gab es dann doch noch einen kleinen Hoffnungsschimmer. Eine Frau Anfang dreißig antwortete mir auf okc auf meine Nachricht. Das war direkt nach Weihnachten. Nachdem wir vier Tage hin und her schrieben, bot sie an, dass wir doch mal telefonieren könnten und teilte mir ihre Nummer mit. Ich rief sie dann wie verabredet am gleichen Abend an. Ich gebe zu, ich war total aufgeregt und wusste nicht, was mich erwartet. Doch das Gespräch entwickelte sich positiv und wir unterhielten uns eine Stunde lang. Am Ende schlug sie dann vor, das wir uns doch verabreden könnten. Das taten wir und bereits am nächsten Tag trafen wir uns dann an einem zentralen Platz in unserer Stadt. Insgesamt waren wir drei Stunden in der Stadt unterwegs, tranken zusammen Kaffee und unterhielten uns. Nach dem Treffen war ich stolz auf mich und hatte außerdem ein positives Gefühl. Doch wie sollte ich mich nun verhalten? Ich war lange aus der Übung und wir hatten bei der Verabschiedung auch nicht ein weiteres Treffen ausgemacht. Ich wollte ja auch nicht bedürftig wirken oder interessenlos.

Zwei Tage später telefonierten wir  wieder. Ich rief sie an und im Laufe des Gesprächs sagte ich ihr, dass ich sie gerne wiedersehen wolle. Ihr ging es genauso! Dann machte ich zwei, drei Vorschläge, was wir unternehmen könnten und sie zeigte sich beeindruckt über die Ideen und meine Aufmerksamkeit, denn die Ideen entstanden aus unseren Gesprächen während des ersten Treffens. Wir verabredeten uns dann für den kommenden Freitag, doch bedauerlicher Weise sagte sie das Treffen kurzfristig wegen ihrer Arbeit ab. Die Tage nach dem abgesagten Treffen machte sie sich dann rar. Ein wenig Schreiberei über Whats App, das wars. Wir haben uns dann noch mal zum Telefonieren verabredet, aber als sie wie verabredet anrief, passte es doch nicht und sie schlug einen anderen Tag vor. Das Spielchen trieb sie dann noch zwei weitere Male mit mir, bevor sie mir über Whats App erklärte, dass sie in den nächsten zwei Wochen keine Zeit für mich hätte. Da war mir aber schon längst klar, dass mich mein positiver Eindruck vom Treffen wohl getäuscht hatte und nicht auf Gegenseitigkeit beruhte. Nach knapp drei Wochen kam dann von ihr noch eine halbherzige SMS, in der sie mir auch gleich unter die Nase rieb, dass sie Jemanden kennen gelernt hatte.
Nachdem also mein erstes Date nach so langer Zeit sich zu so einer Pleite entwickelt hatte, war ich doch ziemlich enttäuscht und es fiel mir schwer, mich wieder für die Partnersuche zu motivieren. Aber ich sagte mir, dass ich mich nicht von einer Niederlage aufhalten lassen dürfte und beschloss, weiter zu suchen.

 

Wie die Zeit vergeht

Inzwischen ist es Ende März, das Projekt Internet Dating läuft für mich seit nunmehr vier Monaten. Ich wurde kürzlich gefragt, wie es denn damit liefe. „Alles scheiße ist das!“, war meine wenig freundliche Antwort. Mehr wollte ich in dem Moment wirklich nicht sagen. Was war denn seit Ende Dezember passiert? Fast gar nichts!
Lovoo: Habe ich nach dem ersten Monat entnervt gelöscht. Bis auf die eine patzige Antwort bekam ich nie eine Antwort auf meine Kontaktgesuche.
Tinder: hatte ich auch nach einem Monat gelöscht. Die drei nicht antwortenden Matches haben mir gereicht. Keine Ahnung warum, aber Mitte Februar habe ich mir die App doch noch einmal installiert und dann zunächst erstaunt festgestellt, dass ich mein Profil nicht gelöscht, sondern nur die App deinstalliert habe. Beim zweiten Lauf mit Tinder lief es anfangs deutlich besser. Ich hatte plötzlich bis zu 10 Matches und schrieb mir mit vier Frauen gleichzeitig. Rausgekommen ist dabei nichts. Die Chats verliefen nach spätestens einer Woche wieder im Sande. Fragte ich nach einem Treffen, wurde das einfach ignoriert. Eine Frau wollte sich dann doch mit mir treffen, aber es kam, wie es nicht anders zu erwarten war. Am Tag des Dates sagte sie ab – krankheitsbedingt. Ich warte übrigens bis heute auf ihre versprochene Rückmeldung und das Nachholen des Treffens. Nicht, dass ich wirklich erwartet hätte, dass das tatsächlich passiert. Jedenfalls, seit drei Wochen gibt es auch einfach keine neuen Matches, was Tinder einmal mehr überflüssig für mich macht – Löschung meines Profils und der App inclusive.
Okcupid: Ein einziges Mal schrieb mich tatsächlich eine Frau initiativ an. Wir chatteten einen Abend lang und aus einem Anflug von Dreistigkeit fragte ich schon nach dem zweiten ausgetauschten Gesprächsfetzen nach einem Treffen. Zu meinem Erstaunen willigte sie sogar ein und wir trafen uns dann drei Tage später in einer Bar. Es war ein nettes Treffen, wir haben uns gut unterhalten. Ein weiteres  Treffen hätte mich gefreut, das wollte sie jedoch nicht, jedenfalls ließ sie das bei der Verabschiedung offen und meldete sich dann nicht mehr. Und sonst? Ich habe bei okc in der Zeit mittlerweile über 100 Frauen kontaktiert – geantwortet hat nicht eine. Geliked wurde ich durchaus – von Frauen aus dem mittleren Osten und Fernost. Aber ganz ehrlich, das ist für mich nicht die richtige Zielgruppe, einfach aus der Tatsache heraus, dass die Distanz viel zu groß ist. Einen netten Chat mit einer vierzigjährigen Frau aus Prag hatte ich noch, aber das war nach einer Woche dann auch zu Ende. Darüber hinaus herrschte bei den Frauen aus meiner Region eisiges Schweigen. Da fiel mir der Entschluss nicht schwer, mein Profil zumindest auf unbestimmte Zeit zu deaktivieren. Das geht bei okc. Entweder die Stilllegung und der Erhalt des Profils oder die komplette Löschung mit dem Verlust aller Angaben etc.

 

Fazit: Am Ende bleibt nur die Enttäuschung

Nirgends ist es so einfach, den Traumpartner zu finden, wie im Internet? Das ich nicht lache! Nach vier Monaten Selbsttest und gerade einmal zwei tatsächlichen Dates, viel vergeudeter Zeit und fast null Resonanz muss ich zu dem Schluss kommen, dass das nicht stimmt. Aber, vielleicht liegt das ja nur an mir? Waren meine Profilfotos nicht gut genug? Hab ich in meinen Nachrichten zu viel geschrieben, oder gar zu wenig? Bin ich einfach, bringen wir es schonungslos auf den Punkt, zu hässlich, um eine Frau für mich zu begeistern? Sind meine Ansprüche oder die der Anderen zu hoch? Geht es nur mir so? Was ist da los?

Wenn man sich nicht nur damit zufrieden gibt, in Sachen Online Dating eine erbärmliche Niete zu sein und anfängt, ein wenig zu recherchieren stellt man schnell fest, dass die eigene Erfolglosigkeit vieles ist – aber kein Einzelfall. Im Internet, egal ob in Foren oder anderen sozialen Medien findet man (im Übrigen international!!) mehr als genug Beiträge von überaus frustrierten Suchenden. Interessant dabei ist in der Tat, dass vor allem männliche Singles ein ähnliches Schicksal teilen. Vielen geht es so wie mir. Sie schreiben sich die Finger wund, versuchen, den Frauen zu gefallen, erhalten jedoch so gut wie überhaupt keine Resonanz. Nicht wenige haben die Suche nach einem Partner bzw. einer Partnerin desillusioniert komplett aufgegeben und richten sich darauf ein, alleine zu bleiben.

Was uns eigentlich die Partnersuche erleichtern soll, führt genau ins Gegenteil. Gesellschaftlich scheinen wir uns auf einem Egotrip zu befinden. Ich bin der Tollste, ich bin der Größte, meins, meins, meins, meine Mitmenschen interessieren mich nicht. Bezogen auf die Partnersuche lässt sich wohl feststellen, dass wir uns keine Mühe mehr geben, einen anderen Menschen wirklich kennen zu lernen. Wir erwarten den perfekten Traumpartner, der uns sofort kickt und die Schmetterlinge im Bauch zum Fliegen bringt.  Passt das nicht gleich, dann eben ab zum Nächsten! Ein paar Wischgesten oder Klicks weiter ist er doch schon, der nächste potentielle Traumpartner.

Der ganze Partner“markt“ verkommt zur Fleischbeschau, der Mensch zur Katalogware. Manchmal braucht es Zeit, einem Menschen, den man noch nicht kennt, zu vertrauen,  oder etwas an ihm zu entdecken, dass in uns den Wunsch nach mehr Nähe weckt. Doch diese Entwicklung lassen wir nicht mehr zu, wir geben weder anderen noch uns die Chance, sich eine Freundschaft, eine Liebe entwickeln zu lassen. Wir wollen es sofort, so wie wir es wollen. Kompromisslos. Die Auswirkungen der Konsumgesellschaft. Die Partnerschaft also als Konsumgut, der Partner die Ware? Rückgabe bei Nichtgefallen?

Zugegeben, ein düsteres Bild, das ich hier zeichne. Aber es ist kein abstraktes Kunstwerk, das hier betrachtet wird, sondern das Leben, das täglich um uns passiert. Gesellschaftsforscher gehen davon aus, dass die Zahl der alleinstehenden und partnerlosen Menschen in den kommenden Jahren immer weiter ansteigen wird. Was sagt das über uns aus? Verlieren wir nach und nach unsere sozialen Kompetenzen, unsere Empathie und die Fähigkeit, Liebe für andere Menschen zu empfinden? Das ist wohl eine Frage, die Jeder für sich beantworten muss.

Meine Wut und meine Enttäuschung sind inzwischen abgeklungen. Die Zeit ist da wirklich ein gutes Heilmittel. Ich glaube, inzwischen meinen „Marktwert“ zu kennen (frei nach der Ratingagentur Standard & Poors, die Finanzen bewerten, stufe ich mich inzwischen auf „Ramsch Status“ ein). Sehe ich eine Frau auf der Straße, die mir gefällt oder lerne ich eine neue Kollegin auf Arbeit kennen und sie gefällt mir, frage ich mich, ob ich sie wohl mal ansprechen könnte. Ich lasse es inzwischen, denn meine gedankliche Frage: „Was hast DU schon zu bieten?“ kann ich spätestens nach dem missglückten Selbstversuch nicht mehr beantworten.
Während das Jahr weiter voran schreitet, der Sommer langsam Einzug in unseren Breiten hält und ich allen Abgesängen zum Trotz immer noch verliebte Paare in den Straßen, Cafés und Parks sehe, sitze ich – in mich zurückgezogen – alleine vor meinem Kaffee im Sonnenschein in der pulsierenden Fußgängerzone und frage mich, wieso ich nicht dazu gehören darf.

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